Kunstbrut bei Enteneiern – eigene Erfahrungen weitergegeben!

Die künstliche Brut unserer Enteneier ist nicht sonderlich schwerer als die von Hühnereiern. Der Name Wassergeflügel, zu dem die Enten nun mal gehören, lässt es bereits erahnen hier muss man mit Wasser etwas großzügiger hantieren, als wir es von anderen Arten her kennen.

Die Bruttemperatur sollte zwischen 37,0°C und 37,5°C liegen. Größere Temperaturschwankungen wirken sich immer negativ auf das Schlupfergebnis aus. Zu niedrige Temperatur verlängert die Brutdauer, zu hohe Temperatur kann zu embryonalen Schäden führen. Besonders in den ersten 14 Tagen reagieren die Embryonen in den Eiern auf eklatante Temperaturunterschiede sehr negativ. Gleiches gilt für einen starken Temperaturverlust über mehrere Stunden. Bei den Enteneiern ist für eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit zu sorgen. Am Anfang der Brut ca. 60-70% diese steigert sich dann stetig, so dass wir währende der Schlupfperiode 85-90% erreichen. Eine Steigerung der Luftfeuchtigkeit ist kurzfristig durch Besprühen der Eier zu erzielen. Längerfristig eignen sich Schwämme sehr gut, die in die Wasserschalen gelegt, für eine höhere Feuchte sorgen. Dies kann von Brutapparat zu Brutapparat und Hersteller solcher Gerätschaften ganz unterschiedlich gelagert sein. Eigene Erfahrungswerte hier einzubringen, ist unerlässlich. An den Schlupftagen gebe man heißes Wasser in die Wasserschalen, wobei die Eier aus dem Apparat genommen werden. So wird der Apparat auf Temperatur gehalten, aber weitaus wichtiger die feinen Tautröpfchen benetzen beim Einschub der Eier die Ei-Haut und erleichtern den Küken so den Schlupf. Die Eier samt den frisch geschlüpften Küken kommen wieder in den Apparat. Schnelle Kontrolle, dass die Temperatur die 40C° nicht überschreitet, wenn doch genügt ein kurzes Öffnen. Wir schauen wiederholt auf die Temperaturanzeige um einen Hitzestau zu vermeiden.

Da Mutter Natur bekanntlich nichts dem Zufall überlässt, sorgt sie bei der Naturbrut so ganz nebenbei für die Reinigung der Eier. Mit jedem Atemzug der Ente gleiten die Federn über die Eierschale und reinigen diese. Die Kutikula, so nennt man das die Eierschale umschließende Häutchen, schützt während der Lagerphase des Eies das Ei-Innere vor eindringenden Keimen und Erregern. Ein mehr als sinnvoller Schutz für die Dauer der Lagerung, jedoch bei der künstlichen Brut nicht sonderlich von Nöten. Da es hierbei keine Ente mit Federn gibt, übernimmt der Mensch das Reinigen. Hierzu dient uns eine Lösung aus 18% gereinigter Salzsäure und lauwarmen Wasser. Das Ei wird von jeglichem Schmutz und eventuellen Parasiten gereinigt. Die Porenkanälchen werden frei und sauber, der im Inneren des Eies heranwachsende Keim kann ungehindert atmen. Keine üblen Gerüche und keine „Mitbewohner“ im Brutapparat und das über die ganze Brutsaison.

Auf 5 Liter lauwarmes Wasser gebe man einen Esslöffel voll 18% gereinigte Salzsäure, welche für ein paar Euro in der Apotheke zu bekommen ist. Die Eier verbleiben so lange in der Lösung, bis sich über ihnen ein Ring aus feinen Bläschen, der so genannte „Heiligenschein“ gebildet hat. Man beginnt dann mit der Reinigung unter Zuhilfenahme eines Haushaltschwammes (weiche Seite). Bitte nicht in Ungeduld verfallen und überdo- sieren. Die Bildung des Ringes über den Eiern kann rund 5 Minuten dauern. Man ist gut beraten das Waschen zügig durchzuführen und dabei keine längeren Telefongespräche zu führen. Es empfiehlt sich ein Probewaschen mit ein paar „unwichtigen“ Eiern. Nach dem Waschen spült man die Eier in klarem, leicht temperiertem Wasser noch einmal ab. Beschriftet mit einem Bleistift und ab geht es in den bereits seit einigen Tagen laufenden und exakt eingestellten Brutapparat.

Das Wenden der Eier ist äußerst wichtig. Instinktiv wendet die Mutterente die Eier im Nest von innen nach außen um Temperaturschwankungen vorzubeugen, sie wendet die Eier aber auch um deren Längsachse. Gewendet werden die Eier vom 3. bis zum 25.Tag, je nach Entwicklungsstand der Küken im Ei. Mindestens zweimal täglich Wenden. Ein Umlegen innerhalb des Apparates von innen nach außen auf der Horde ist bei den heutigen Umluftverhältnissen wohl nicht mehr nötig. Nicht vergessen, die Wendeautomatik vor dem Schlupf abzustellen, sonst liegen die Küken womöglich Kopfüber auf der Horde. Es gilt zu beachten: kleine Entenrassen brüten 25-26 Tage, große Rassen 26-28 Tage und die Warzenenten bis zu 35 Tage.

Verlässt die Ente das Nest, so kühlen die Eier ganz automatisch ab. Diesen Vorgang machen wir uns zu eigen und kühlen die Eier vom 5./6. bis zum 22./23. Tag. Am besten abends zwischen 5 max. 20 Minuten je nach Raumtemperatur. Zusätzlich besprüht man die Eier außerhalb des Apparates mit Wasser. Auch die Mutterente bringt nach dem Baden in ihrem Federkleid eine gewisse Menge an Feuchtigkeit mit ins Nest.

Natürlich sollten die Bruteier so frisch als möglich sein, aber selbst eine Wildente braucht nun mal 15 Tage um 15 Eier zu legen und beginnt dann erst mit dem eigentlichen Brutgeschäft. Gelagert werden die Bruteier bei einer Raumtemperatur von 15C°. Keine Sonne, keine Hitze und kein Kühlschrank. Ob man die Eier nun wendet oder mit dem stumpfen Ende nach oben stellt, bleibt jedem selbst überlassen.

Der Brutraum sollte frei von Zugluft und größere Temperaturschwankungen sein. Direkte Sonneneinstrahlung ist zu vermeiden. Zum Durchleuchten oder Schieren gibt es keine bestimmten Regeln oder Zeiten, jedoch nicht vor dem 5.-7. Tag nach der Einlage.

Paul-Erwin Oswald